Stöbern, lesen, lernen.

1. Februar 2009

Hier im Magazin der Protextbewegung finden Sie alle Beiträge dieser Website in chronologischer Reihenfolge ihres Erscheinens. Ob für Auftraggeber oder Auftragnehmer – das Magazin der Protextbewegung ist eine große Fundgrube für alle, die sich für Profitext interessieren.

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Preisdumping im Lokaljournalismus

24. Juli 2010

Texttreff-Kollegin Daniela Warndorf hat vor zwei Wochen in ihrem Blog eine kleine Geschichte aus dem Alltag einer freien Lokaljournalistin erzählt, die nach langjähriger Tätigkeit für eine kleine Zeitung den Laufpass erhielt, weil sie sich von der bereits zugesicherten Bezahlung von 180 Euro für eine Doppelseite von 10.000 Zeichen mit mehreren Fotos (Arbeitsaufwand: 25 Stunden) im Nachhinein nicht auch noch weiter runterhandeln lassen wollte.

Und was geschah? Nun, der Verlagsstellenleiter willigte schnell ein, das Honorar zu bezahlen. Und sagte: Da man ja offensichtlich unterschiedliche Ansichten in Sachen Honore habe, wolle man von einer weiteren Zusammenarbeit künftig absehen. L. war also nach all den Jahren raus, ruckzuck. Hinterher meinte sie: Nachdem man alle nötigen Informationen von ihr bekommen habe, sei sie eben nicht mehr interessant und trotz der lausigen Honorare zu teuer. Denn ihren Job machen nun zwei andere freie Mitarbeiter: Die eine Rentnerin, die andere arbeitslose Mutter.

Beide haben vorher noch nie für eine Zeitung gearbeitet, geschweige denn überhaupt geschrieben.

Interessant auch die vielfältigen Kommentare zu diesem Artikel, aus denen hervorgeht, dass dieses Preisdumping im Tageszeitungsjournalismus, aber auch in vielen anderen Textberufen, inzwischen leider weit verbreitet ist. Die Schuld daran allein aber den Zeitungsverlagen, den Agenturen oder generell den Auftraggebern in die Schuhe zu schieben, ist in vielen Fällen nicht berechtigt. Denn, wie eine Kommentatorin festhielt:

Dass Auftraggeber wenig zahlen wollen, das ist Marktwirtschaft. Sie tatsächlich wenig zahlen zu lassen und deren Vorgehen so etablieren zu lassen, da muss man sich an die eigene Nase fassen. Ich kenne das ja selber aus der Fotografie. Da ist es ja nicht anders. Aber ich weiß z. B., dass ich auch als Neue in dem Job mir keinen Gefallen tun werde, wenn ich meine Kollegen und deren Preisgefüge unterbiete, „um den Job zu kriegen“. Das machen so viele und das ist schlicht dumm. So killt man Arbeitsmärkte aus Sicht der Arbeitnehmer durch Arbeitnehmer.

(…) Man muss tunlichst sich verbieten in die Spirale zu gelangen, sich unter Wert zu verkaufen. Wer damit anfängt, der signalisiert seinem Gegenüber nämlich seine Wertlosigkeit – wer die ausstrahlt, verdient nie den Pokal, erhält allenfalls den Trostpokal. Es ist mehr Psychologie und Vertriebstraining, als man glauben mag.

Einer der Gründe für die Entstehung der Protextbewegung war genau das: Das Wertbewusstsein und Selbstwertgefühl freier Textarbeiter zu stärken und auch Mut zu machen, sich einem Preisdumping auf dem freien Markt zu widersetzen.

Von Haushältern und Leihen

28. Juni 2010

Als Conny Frühauf bei ihrer Suche nach einem „funktionierenden und wirklich schnell und glattbügelnden Dampfbügeleisen“ das Internet durchstöberte, fand sie interessante Testergebnisse. Besonders aufschlussreich erschien ihr die Beschreibung, wie – und vor allem von wem – die Tests durchgeführt wurden:

Sie schrieb uns:

Bemerkenswert finde ich die testbügelnden „Haushälter“. Wo sind diese erfahrenen Bügelmänner? Ich würde mir nämlich auch gerne öfter mal welche ausLeihen!!

Für sachdienliche Hinweise zu dieser Frage nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion! ;-)

Wir halten fest: Auch Testmagazine sollten ihre Texte von Profis (und nicht von Laien) Korrektur lesen lassen!

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Wir danken der edlen Spenderin für diese Perle und freuen uns über weitere Zusendungen an redaktion@protextbewegung.de!

Die Qual der Wahl

15. Juni 2010

Rechtschreibung und Korrekturlesen könnten so einfach sein: Man orientiert sich an den amtlichen Regeln und entscheidet mit ihrer Hilfe eindeutig über richtige und falsche Schreibweisen. Die Realität ist, wie so oft im Leben, viel komplizierter. Das liegt unter anderem an der deutschen Grammatik, die reich an Ausnahmen ist, und an einer Rechtschreibung, die nur begrenzt den Gesetzen der Logik folgt.

Ursprünglich war ein Ziel der Rechtschreibreform, die Rechtschreibung und Zeichensetzung systematischer zu gestalten und vor allem die Zahl der Ausnahmen zu verringern. Ein Beispiel: Vor der Reform gab es für das Komma bei Infinitivgruppen nur 2 Grundregeln – dazu aber sage und schreibe 11 Ausnahmen. Jetzt gibt es 3 Bedingungen, unter denen vor erweiterten Infinitiven ein Komma gesetzt werden muss.

Da über ein so langweiliges Thema wie Rechtschreibung (sie ist lediglich ein Hilfsmittel!) erstaunlich leidenschaftlich gestritten wird, wurden leider viele Reformen wieder rückgängig gemacht, die auf Vereinheitlichung und damit auf Vereinfachung zielten.

Die Folge ist, dass nun in vielen Fällen mehrere Schreibweisen möglich sind. Dieser Kompromiss wirkt auf den ersten Blick beruhigend; aber wie geht man in der Praxis mit der Wahlfreiheit um?

Textprofis wissen, dass ein guter Text aus einem Guss sein sollte. Dazu gehört selbstverständlich auch eine einheitliche Rechtschreibung. Ein Delphin direkt neben einem Geografen würde so seltsam wirken wie Potential neben potenziell. Alle Schreibweisen sind richtig – und passen doch nicht zusammen. Nach welchen Kriterien entscheidet man also im Einzelfall?

Wer hauptsächlich den Rechtschreibduden als Nachschlagewerk nutzt, kann sich an die gelb markierten Empfehlungen halten. Sie sind besonders nützlich bei Zusammensetzungen mit Partizipien, bei denen in sehr vielen Fällen sowohl Getrennt- als auch Zusammenschreibung möglich sind. So zieht der Rechtschreibduden zum Beispiel dünn besiedelt in zwei Wörtern vor, hochgelobt in einem.

Eine andere Entscheidungshilfe ist die Wortliste mit den Agenturschreibweisen. Die Nachrichtenagenturen geben mit dieser Liste Empfehlungen für die Schreibung von ca. 1.500 Wörtern, wobei sie nach eigenen Angaben überwiegend die vor der Reform gültigen Schreibweisen vorziehen.

Ist Rechtschreibung also doch ein Albtraum (Dudenempfehlung) – oder ein Alptraum (Agenturschreibweise)?

Wer es gern systematisch mag, kann sich bei der Wahl zwischen zwei erlaubten Schreibweisen auch an der Grammatik orientieren. Sehr einfach zu merken ist zum Beispiel die Regel, dass zwei Verben grundsätzlich getrennt geschrieben werden. Das gilt für spazieren gehen ebenso wie für kennen lernen und sitzen bleiben, dann braucht man sich die Ausnahmen kennenlernen und sitzenbleiben nicht zu merken.

Und natürlich spielt auch immer eine Rolle, wer für welche Zielgruppe schreibt. Wenn Sie zum Beispiel einen Brief an Ihre Oma schreiben, werden Sie vielleicht lieber beim großen Du bleiben; wenn sich allerdings ein Grundschüler darauf beruft, dass er in der Klassenarbeit nach alter Rechtschreibung schreibt, dann ist garantiert etwas faul.

Protext-Tipp der Woche von Ines Balcik

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Das Gleiche ist nicht immer dasselbe

5. Mai 2010

»Otto fährt dasselbe Auto wie sein Chef und parkt es in der gleichen Garage.«

Öha, wenn diese Aussage stimmt, dann hat der Chef nun kein Auto mehr, weil Otto es ihm offensichtlich geklaut hat. Denn der-, die- oder dasselbe besagen, dass etwas identisch ist und nur ein einziges Mal existiert.

Wahrscheinlicher also ist, dass Otto das gleiche Auto wie sein Chef fährt, nämlich die gleiche Automarke. Umgekehrt steht zu vermuten, dass er dieses Gefährt aber nicht in der gleichen, sondern in derselben Garage parkt, also in ein und demselben Parkgebäude.

Und warum werden der-, die-, dasselbe und dem-, des-, denselben immer zusammen, das Gleiche oder das gleiche XY immer getrennt geschrieben? Das liegt daran, dass das Wörtchen »selbe« nicht für sich allein existiert, es ist immer an einen Artikel gebunden (aber: im selben Moment, am selben Ort). Das Wörtchen »gleich« dagegen ist ein Adjektiv und kann substantiviert werden.

Merke: Man kann nicht im gleichen Jahr wie jemand anders geboren sein, sondern nur im selben Jahr. Und auch, wenn sich zwei noch so lieb haben, benutzen sie in der Regel nur die gleiche Zahnbürste, aber niemals dieselbe.

Protext-Tipp der Woche von Elke Hesse.

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Mysteriöse Lebensmittel

3. Mai 2010

Hm. Lamm und Rind vom Gänsehof … ?
Auf dieses tierische Durcheinander ist Karl-Ludwig Mehl in List auf Sylt gestoßen. Wir danken für dieses verwirrende Fundstück und wundern uns mit ihm.

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Der klitzekleine Unterschied

26. April 2010

Manchmal entscheidet ein einziger Buchstabe über Sinn oder Unsinn:

Holzscheide versus Holzscheite

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Sie haben auch schon solche kleinen Unterschiede entdeckt? Die Redaktion freut sich über Ihre Fundstücke: redaktion@protextbewegung.de

Was für ein Slogan!

19. April 2010

Hinter diesem Slogan kann doch nur Verona Pooth stecken, oder?

Ob der Erfolg mit Ebooks sich „ohne einem eigenen Produkt“ einstellt, wissen wir nicht, aber zumindest ist der Lacherfolg garantiert.

Wir hätten noch einen kleinen Tipp, wenn partout kein Profi beim Texten behilflich sein darf:
Beim Sloganizer werden Sie in solchen Fällen geholfen. Der generiert Werbeslogans automatisch und grammatikalisch korrekt. Dieser hier wäre doch zum Beispiel hübsch gewesen:

Wir danken dem Biografielotsen Matthias Brömmelhaus für sein tolles Fundstück!

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Haben Sie auch schon solche Entdeckungen in der Welt der Werbung gemacht? Dann freuen wir uns über Ihre Einsendung per E-Mail an redaktion@protextbewegung.de.

Hilfe für Kurztexter

12. April 2010

Hoppla, beim Verfassen dieser Überschrift war offensichtlich der Wunsch Vater des Gedanken. Sieht so aus, als wäre da jemand dem Kurztexten derart verfallen, dass er oder sie sich statt einer MS- eine SMS-Selbsthilfegruppe herbeigesehnt hat:

Tina Skulima hat dieses Fundstück für uns aus dem Castrop-Rauxeler Stadtanzeiger gefischt. Vielen Dank!

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Sind Sie auch schon über merkwürdigen Zeitungsmeldungen gestolpert? Dann  freuen wir uns über Ihre Einsendung per E-Mail an redaktion@protextbewegung.de.

Bild online – das Korrektorat hat wohl Urlaub …

3. April 2010

Ein kleines Osterpräsent lieferte uns bild.de - da ist wohl das Korrektorat im Urlaub. Wenn es nicht ohnehin schon wegrationalisiert wurde.

Aber Kochelmann liest sich auch gleich viel krimineller.

Kochelmann statt Kachelmann

Bild-Zeitung am 3.4.2010

Haben Sie auch schon solche Tippfehler in den Online-Auftritten der deutschen Zeitungen entdeckt? Dann her damit: redaktion@protextbewegung.de

Die Inflation der Anführungszeichen

31. März 2010

Der Autofahrer fuhr bei „Rot“ über die Ampel und gebärdete sich „wie ein wilder Cowboy“, bevor er „Muffensausen“ bekam.

Meine regionale Tageszeitung liebt es, so zu schreiben. Aber nicht nur sie: Viele Menschen setzen Anführungszeichen entweder zu selten – zum Beispiel bei Zitaten, wo sie im Regelfall Pflicht sind – oder aber deutlich zu häufig. Metaphern, Vergleiche und etwas mit dem bedrohlichen Namen „Pars pro Toto“ (klingt nur kompliziert, ist es aber nicht) gehören nicht in Anführungszeichen. Aus diesen Zutaten entsteht übertragene Sprache, die Texte oft erst lebendig macht. Anführungszeichen aber schaffen eine Distanz des Schreibers zu den Worten, die sie einschließen. Bei Zitaten ist das auch gut so, schließlich muss der Autor hier deutlich machen, dass er nicht Urheber des Zitierten ist. Sind sie aber unnötig, bremsen sie den Lesefluss – und machen das Geschriebene merkwürdig steif.

Warum ist Der Autofahrer fuhr bei Rot über die Ampel und gebärdete sich wie ein wilder Cowboy, bevor er Muffensausen bekam ganz ohne Anführungszeichen korrekt?

  • Fangen wir mit dem Kompliziertesten an: bei Rot ist ein Pars pro Toto. Aus dem Lateinischen übersetzt heißt das „ein Teil für alles“. Die Farbe (Teil der Ampel) repräsentiert das Gesamtkonzept „Leuchtet bei der Signalanlage die rote Lampe, müssen Verkehrsteilnehmer stehenbleiben“ – in dieser Ausführlichkeit braucht das aber in keinem Zeitungsartikel zu stehen. Geht es um Verkehr und Rot, erkennt der Leser das Konzept wieder und begreift das Gemeinte. Ein Pars pro Toto steht nicht in Anführungszeichen. Es ist ein übliches Instrument unserer Sprache.
  • Das Nächste ist leicht: wie ein wilder Cowboy ist ein Vergleich. Und zwar kein qualitativ schlechterer, besserer oder irgendwie anderer als „Anna ist so klug wie Klaus“. Anführungszeichen notwendig? Keine Spur!
  • Muffensausen: eine Metapher. Kennen wir von Gedichten und blumigen Texten. Sie macht das „Kamel“ zum „Wüstenschiff“. Behandelt wird sie nicht anders der Vergleich.

Knifflige Zusatzfrage: Warum stehen die gefetteten Begriffe in Anführungszeichen, obwohl sie keine Zitate sind? Weil mit ihrer Hilfe über Sprache gesprochen wird, nicht über Dinge, die sie benennen.

  • Der bedrohliche Name „Pars pro Toto“: Hier ist nicht das Pars pro Toto selbst, sondern sein Name gemeint.
  • Sie macht das „Kamel“ zum „Wüstenschiff“: Es geht nicht um Kamele und Schiffe, sondern um die beiden Wörter, die sie bezeichnen.

Diese Fälle werden behandelt wie Zitate. Aber bitte: Davon nicht verwirren lassen – stattdessen: Nur Mut zu übertragener Sprache! Ganz ohne unnötige Distanz.

Protext-Tipp der Woche von Julia Dombrowski www.textsektor.de

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