Stöbern, lesen, lernen.
1. Februar 2009
Hier im Magazin der Protextbewegung finden Sie alle Beiträge dieser Website in chronologischer Reihenfolge ihres Erscheinens. Ob für Auftraggeber oder Auftragnehmer – das Magazin der Protextbewegung ist eine große Fundgrube für alle, die sich für Profitext interessieren.
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Was ist meine Zielgruppe? Journalistinnen-Tipps, Teil 2
10. März 2010
Wer Texte für die Medien schreibt, muss die jeweilige Zielgruppe genau kennen – denn in einem Punkt sind sich Redaktionen von Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehsender überraschend einig: Geschrieben und produziert wird nicht für irgendjemanden. Sondern für „Erna, 60, Volksschulbildung, katholisch, häuslich, die sich mit unserer Musik in ihre Jugend zurück träumt“ (O-Ton Chefredakteur eines Lokalradiosenders). Oder für „einkommensstarke, konsumorientierte und krisenresistente Haushalte“ (aus den aktuellen Mediadaten der Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung).
Am schnellsten erhalten Sie Informationen zur Zielgruppe im Gespräch mit Redakteuren, die für ein Medium arbeiten. Wenn Sie einen treffen – bei einer Recherche, einem Fachtag, auf einer Messe oder Fortbildung –, spielen Sie am besten Detektiv. Aussagekräftig sind bei vielen Publikationen auch die Mediadaten. Sie finden sie auf den Internetseiten der Zeitung oder Zeitschrift oder können sie in der Anzeigenabteilung telefonisch anfordern. Zudem empfehle ich Ihnen, das anvisierte Medium häufig zu lesen. Themen und Stil der Texte, die Art der Anzeigen zeigen ganz genau: Diese Leserin ist uns wichtig, jene eher nicht.
Fazit: Um einen Text an eine Zeitung oder Zeitschrift verkaufen zu können, müssen Sie nicht zur Zielgruppe gehören – sich aber in sie einfühlen können. Das am besten auch politisch – denn es gibt weitaus mehr Redaktionen, die sich überparteilich nennen, als solche, die es tatsächlich auch sind.
Protext-Tipp der Woche von Petra Plaum
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Creme zum Schutz von Cannabis
8. März 2010
Aus der Schweiz erreichte uns – im wahrsten Sinne des Wortes – neuer Stoff für unsere Fundsachen-Rubrik. Yannick Tresch hat sich im Vorbeigehen an diesem Schaufenster über die „Hanf schützende Handcreme“ gewundert:

Schützt etwa eine Handcreme den Fortbestand der Nutzpflanze Hanf?
Die wörtliche Übersetzung des englischen Namens „Hemp Hand Protector“ ging jedenfalls ziemlich daneben. Schade, wo es doch professionelle Übersetzer gibt, die sich auch mit handschützenden Hanfcremes auskennen.
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Sind Ihnen beim Schaufensterbummel auch schon einmal Dinge begegnet, über die sie sich gewundert haben? Wir freuen uns immer über Zusendungen an redaktion@protextbewegung.
Was ist eigentlich eine Nachricht? Journalistinnen-Tipps, Teil 1
1. März 2010
„When a dog bites a man, that is not news. When a man bites a dog, that is news”. Diese beiden Sätzen lernen angehende Journalistinnen und Journalisten gleich zu Beginn ihrer Ausbildung – und mit ihnen beginnt auch eine kleine Serie von Protext-Tipps aus dem Journalistinnen-Nähkästchen. Lassen Sie sich von der guten, alten Tageszeitung und ihren Machern inspirieren! Und strafen Sie ab sofort Oscar Wildes berühmten Spruch Lügen: „Der Unterschied zwischen Literatur und Journalismus besteht darin, dass der Journalismus unlesbar ist und Literatur nicht gelesen wird.“
Zurück zur „Man bites Dog“-Formel: Ein erfolgreicher Journalist hat sie geprägt. Er beschrieb damit vor mehr als hundert Jahren bildhaft, wonach Redakteure suchen – immer nach dem Besonderen. Nur das, was den Leser oder die Leserin packt, schockiert, aufrüttelt oder zum Lachen bringt, bekommt einen Platz in den Medien – so einfach ist das.
Die Nachricht hinter der Nachricht heißt in diesem Falle: Bis heute ist nicht bekannt, von wem die „Man bites Dog“-Formel stammt. John B. Bogart von der „New York Sun“ soll 1880 die beiden Sätze geäußert haben, aber auch „Sun“-Herausgeber Charles Anderson Dana steht unter Verdacht, ihr Urheber zu sein. Als wäre dies nicht genug, ordnen Experten dieses Zitat zudem Alfred Harmsworth zu, der Anfang des 20. Jahrhunderts in England als Zeitungsmagnat Karriere machte. Wer war es also wirklich? Wer das herausfindet, hat sozusagen den Hund gebissen und kann sich des Nachrichtenwerts dieser Information sicher sein. Alle anderen müssen sich auf die Suche nach neuen Schlagzeilen machen.
Protext-Tipp der Woche von Petra Plaum
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Wenn junge Seelen verabschiedet werden …
1. März 2010
Die Protextbewegung hörte von mysteriösen Ritualen in einem hauptsächlich von Männern frequentierten Etablissement in Mainz: Schon die Werbung fordert den Neugierigen auf, privat zu tanzen, denn junge Seelen wollen sich dort verabschieden. Was dahinter steckt, ist mal wieder so profan wie falsch geschrieben …
Da mutiert der „Privattanz“ zum „Privat tanze“ und aus dem feuchtfröhlichen „Junggesellen-Abschied“ wird ein todtrauriger „Junge Seele Abschied“. Dass dieses Plakat viele Feierwillige anlockt, darf wohl mit Recht bezweifelt werden. Das kommt davon, wenn man für seine Werbeplakate keine Profitexter engagiert …
Vielen Dank an Angi Henn für dieses wirklich prächtige Fundstück.
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Haben Sie auch schon solche eindeutig zweideutigen Plakate entdeckt? Senden Sie das Foto bitte an redaktion@protextbewegung.de. Wir freuen uns drauf!
Menschenhandel mitten in Deutschland?
22. Februar 2010
Vergessen Sie Online-Partnervermittlungen, vergessen Sie mühevolle Balzrituale an Kneipentresen oder in Partyküchen. Wenn Sie weiblich, ledig und jung oder alt sind, brauchen Sie nur noch ein bisschen Geld einzustecken und diesen Laden zu finden:
Männer im Schlussverkauf – wer kann da widerstehen? Uns bleibt nur zu hoffen, dass im Innern des Ladens nicht ganz so blasse Exemplare zum Erwerb stehen.
Vielen Dank an Sabine Schönberg und Vater (Foto), die uns den WSV in einem ganz neuen Licht sehen ließen.
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Entdecken Sie beim Shoppen auch ab und zu Schaufenster der anderen Art? Schicken Sie uns ein Foto an redaktion@protextbewegung.de
Von unscheinbaren Unterschieden
17. Februar 2010
Anscheinend – und nicht nur scheinbar! – haben viele Menschen ein großes Problem, genau diese beiden Worte in ihrer Bedeutung zu unterscheiden. Deshalb gibt es im Protext-Tipp der Woche dazu eine Eselsbrücke:
Denken wir uns einen Klassenraum. Wir schauen hinein – er ist leer. Kein Schüler und kein Lehrer weit und breit. Dann sagen wir: „Der Klassenraum ist anscheinend leer.“ Wobei man „anscheinend“ auch durch „offenbar“ ersetzen könnte.
Wir gehen zu einem anderen Klassenraum. Alle Schüler haben sich unter den Tischen versteckt und der Lehrer steht im Klassenschrank. Hier haben wir endlich einen Grund, das allseits beliebte Wort „scheinbar“ zu verwenden: „Der Klassenraum ist scheinbar leer.“ Scheinbar deshalb, weil es bloß so aussieht – es scheint so, als sei der Raum leer, obwohl alle Schüler und auch der Lehrer dort sind.
In der Alltagssprache wird „scheinbar“ mit wachsender Begeisterung immer dann verwendet, wenn eigentlich „anscheinend“ richtig wäre. Dabei wird nur ganz selten so getan, als ob – in den meisten Fällen sind Situationen wirklich so, wie sie sich darstellen. Denn ein Mann mit Gipsschiene hat nicht nur scheinbar ein gebrochenes Bein, sondern tatsächlich – es sei denn, er wäre Schauspieler und benötigte die Schiene für seine Rolle.
Allerdings kann man der Alltagssprache zugute halten, dass diese Unterscheidung zwischen den beiden Worten noch relativ jung ist: Sie wurden erst im 18. Jahrhundert gegeneinander abgegrenzt. Da kann man schon verstehen, dass die Alltagssprache anscheinend noch ein bisschen hinterherhinkt.
Protext-Tipp der Woche von Petra A. Bauer
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Von Handleder und Lederhänden …
15. Februar 2010
Dass es bei Leder durchaus Qualitätsunterschiede gibt, ist hinlänglich bekannt. Dass dabei aber auch menschliche Körperteile gegerbt werden, war uns neu.
Sigrid Strohschneider-Laue entdeckte dieses Wiener Schmankerl und schrieb uns dazu:
Leder aus besten Händen!
Leder aus besten Händen?
Wirklich?
Aus Händen?
Aus besten Händen?
Aus besten Gerberhänden?
Aus besten von Gerbern gegerbten Händen?
Von besten Gerberhänden gegerbte Hände?
Von besten Gerberhänden händisch Gegerbtes?
Von besten Gerberhänden händisch gegerbtes Leder?
Von besten Gerberhänden händisch gegerbtes tierisches Leder?
Echt unheimlich…
Echt unheimlich. Finden wir auch.
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Haben Sie auch schon so unheimliche Doppeldeutigkeiten entdeckt? Wir freuen uns immer über neue Schmankerl. Einfach eine E-Mail an redaktion@protextbewegung.de.
Der kleine Unterschied
8. Februar 2010
Wer sich wohl auf diese Stellenanzeige gemeldet hat?
Na, hoffentlich wird das nicht falsch verstanden. Sandra Cremer, die uns diese Fundsache geschickt hat, meint dazu: „Auch Stellenanzeigen sollte man lieber einem Profi überlassen.“ Dem können wir uns nur anschließen.
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Sind Sie auch schon über seltsame Stellenanzeigen gestolpert? Wir freuen uns über weitere Zusendungen an redaktion@protextbewegung.de!
Fachchinesisch und Branchenkauderwelsch, Teil 4
4. Februar 2010
Der letzte Teil unserer kleinen Serie beschäftigt sich mit widerspenstigen Menschen, Konferenztischen und seltsamen Verordnungen. Oder ist etwas anderes gemeint? Wir hoffen, unser Marketing-Glossar zum Mitraten hat ein wenig Spaß gemacht und bedanken uns noch mal herzlich dafür bei Christa Goede (Text) und Yo Rühmer (Illus).
Peel-Off-Label
Weltbekannte Marke eines Herstellers von Hautpeeling-Produkten
Oder: Abziehbares, selbstklebendes Etikett
Remittenden
Menschen, die sich widerspenstig verhalten
Oder: Per Post versandte Artikel, die aus verschiedenen Gründen vom Käufer zurückgesendet werden
Schusterjunge
Auszubildender beim ortsansässigen Schuster
Oder: Anfangszeile eines neuen Absatzes, die als letzte Zeile einer Spalte oder Seite erscheint. Der Schusterjunge ist das Gegenteil von Hurenkind
Serifen
Tante des Kalifen von Dubai
Oder: Kurze Querstriche an den Ausläufern der Senkrechten bestimmter Schriften wie der Times Roman. Serifen-Schriften tragen gerade bei längeren Texten zur besseren Lesbarkeit bei. Die meisten Tageszeitungen erscheinen in Serifen-Schriften.
Timetable
Neudeutsch für Konferenztisch
Oder: Ein festgeschriebener Ablaufplan
Two-up
Aus der Limonade Two-up wurde fünf Jahre später das Kultgetränk Seven-up
Oder: Verfahren, bei dem im Endlosdruck gleich zwei Formulare nebeneinander gedruckt werden
Umwandlungsrate
Neudeutsch für Kalorienverbrauch
Oder: Verhältnis zwischen der Anzahl der Mailingempfänger und der Anzahl der Empfänger, die auf das Mailing reagiert haben
Update
Dynamische erste Verabredung mit Tanzeinlage
Oder: Aktualisierung bereits bestehender Daten
Verkaufsförderung
Neudeutsch für Gehaltserhöhung
Oder: Maßnahmen für die Steigerung des Umsatzes
Versalien
Großes, sehr bekanntes Schloss in Frankreich
Oder: Ganz einfach Großbuchstaben
Wallet
Kleines, känguruartiges Tier, das nur nachts aus seinem Versteck kommt und deshalb auch erst vor 4,5 Jahren auf einer kleinen Südseeinsel entdeckt wurde
Oder: Bezeichnung für den Umschlag, in denen die einzelnen Bestandteile eines Mailings gesteckt werden
Wegwerfwellen
Surfersprache für unbrauchbare Wellen, auf denen man nicht surfen kann
Oder: Abstände, in denen sich Mailempfänger für kurze Zeit oder für immer von dem empfangenen Mailing trennen. Stationen der Wegwerfwellen sind z. B. die Ablage oder der Papierkorb
Zugabeverordnung
Verordnung, nach denen eine Pop-Band nicht mehr als eine von vorneherein festgelegte Anzahl an Zugaben geben darf
Oder: Gesetzliche Regelung der Gratisleistungen im Einzelhandel
Zustellstützpunkt
Ort, an dem die Mieter eines Hauses bereits Wochen vor dem Abholtermin ihren Sperrmüll lagern können
Oder: Stützpunkt, von dem aus die Post zugestellt wird
Glas mit Stil
1. Februar 2010
„Bloß den Löffel weg vom Milchschaum“ lautete kürzlich die Überschrift eines Artikels auf der Service-Seite der Aachener Zeitung. Er hatte „moderne Benimm-Irrtümer“ zum Inhalt und klärte darüber auf, dass man sowohl mit dem Löffeln des Milchschaums einer Latte macchiato als auch mit der Bestellung eines Cappuccinos nach dem Essen das Nichtvorhandensein von Stil unter Beweis stellen könne.
Aber nicht nur bei den Heißgetränken gibt es einiges falsch zu machen. Zur korrekten Handhabung eines stilvollen Weinglases war zu lesen:
Sicher rauchte der Autorin vor lauter Benimmregeln und Stilfragen schon der Kopf, als sie die Image-Beraterin Imme Vogelsang an dieser Stelle zitierte. Denn natürlich darf und sollte man auch ein Glas mit Stil nach wie vor (und selbst nach der Rechtschreibreform) am Stiel anfassen.
Diese Sti(e)lblüte – im wahrsten Sinne des Wortes – pflückte be|es|ha.
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Haben Sie sich auch schon über seltsamen Stil gewundert? Dann schicken Sie uns Ihre Fundstücke doch per E-Mail an redaktion@protextbewegung.de.






