Im Gespräch mit … Nina George
23. Juli 2009
Nina George ist seit 1993 freie Journalistin, Schriftstellerin, Kolumnistin, Dozentin. Sie arbeitet u.a. für das Hamburger Abendblatt, schreibt unter dem Pseudonym Anne West angenehm unverkrampfte Sachbücher über Sexualität und Partnerschaft, unter ihrem Familiennamen Nina Kramer Wissenschaftsthriller (z. B. „Ein Leben ohne mich“ – Pendragon Verlag), und unter ihrem Klarnamen Krimis, Kurzgeschichten, Romane, Reportagen, Essays und manchmal auch die Rückseiten von Streichholzbriefchen. Nina George lebt in Hamburg.
Was bedeutet Sprache für Sie?
Sie ist das Abbild der menschlichen Seele – ihrer besten, gütigsten, zartesten Seiten, als auch der düsteren, engherzigen, dummen. Sie ist Identität. Waffe. Schutz. Friedensverhandler. Erotik. Kultur. Stelle zwischen dem feigen Schweigen. Malfarbe aus Verstand und Gefühl. Verführung. Der Beweis, ein Hirn und ein Herz zu haben und zu wissen, wie man beides benutzt. Droge der Selbstdarsteller. Beliebtes Vergewaltigungsopfer von Hirn- oder Herzlosen Reklamemachern, Werbeumfeldgestaltern oder Literaten auf der Suche nach simuliertem Tiefgang. Der kürzeste Weg zu Missverständnis oder Einigkeit. Dynamik. Freiheit. Spiegel der Gedanken (Umso schlimmer, wenn einer nur in der Größe eines Kosmetikspieges denkt oder sich am liebsten darin sieht). Gleitmittel der Lügen.
Eine Kunst, wo sie niemand vermutet – schreiben könne ja schließlich jeder. Seltsam, wieso führen dann nicht mehr Laien Herztransplantationen durch, wo doch jeder ein Herz hat?
Im besten Fall: Die Fähigkeit, sich mit 26 Buchstaben so genau und uneitel auszudrücken, dass alles Notwendige gesagt ist, ohne den Leser dabei für blöd zu verkaufen, zu bevormunden oder seine Intelligenz zu beleidigen.
Nennen Sie einen Spruch/Satz einer anderen Person, der Sie beeindruckt hat.
„Was immer Du schreibst, schreibe kurz, und sie werden es lesen, schreibe klar, und sie werden es verstehen, schreibe bildhaft, und sie werden es im Gedächtnis behalten, schreibe aus Überzeugung, und sie werden Dir glauben.“ – Joseph Pulitzer
„Man kann ja vieles schreiben. Aber stehenlassen!“ – Monika Maron.
Welchen eigenen Spruch/Satz möchten Sie unseren Lesern mitgeben?
Der kurze Text erfordernt das längste Nachdenken.
Sprache ist für alle da, sie ist demokratisch; wer sie nicht zu pflegen und zu nutzen weiß, darf sich nicht wundern, wenn er bald von Tyrannen beherrscht wird, die ihm sagen, was er denken, fühlen, kaufen, wissen, kopieren und umbringen soll.
Am Anfang war das Wort. Dann kam die Zahl und kurz darauf der erste Marktforscher. Seitdem geht es nur noch um Zahlen, nicht mehr um gute Worte oder gar Menschen.
Schreiben kommt vom Schreiben. Wer aufhört, zu üben, wird schlechter.
Den Text eines anderen zu klauen ist wie sein Blut zu trinken. Wer weiß, vielleicht weil man selber keins hat?
Auf welchen Spruch/Satz der Geschichte hätte man sehr gut verzichten können?
Auf keinen. Man muss lesen, um das Wichtige erkennen und das Dumme entlarven zu können.
Vervollständigen Sie bitte diesen Satz: „Für mich ist der professionelle Umgang mit Sprache ganz wichtig, weil …“
© Foto: Stefan Malzkorn„ … ich zu ihren Verbündeten gehöre, nicht zu ihren Henkern.“



“Der kurze Text erfordern das längste Nachdenken.” Oooops – ein Druckfehlerchen auf Eurer Seite!! Na sowas – wie gut, dass das auch den Profis mal passiert.
Danke für diese schöne Seite, bin fast täglich hier.
Danke für den Wink, ist korrigiert, der Vertipper ist tatsächlich durchgerutscht. ;-)
Und danke fürs Kompliment! Das tut gut und motiviert. :-)