Barrierefrei texten fürs Web (1)
8. Juni 2009
Im Rahmen unserer Protext-Tipps widmen wir uns in dieser Woche einem speziellen Thema: der Barrierefreiheit im Internet. Anders als viele denken, ist das nicht nur ein Thema für Techniker und Webdesigner. Nein, auch die Qualität der Texte ist maßgeblich für die Zugänglichkeit eines Webangebots – und das beste Argument für diese kleine Protext-Tipp-Serie „Barrierefreiheit“.
© Biggi Mestmäcker – Kommunikation + Marketing
Das Gesetz verlangt verständliche Texte
Seitdem im Jahr 2002 das Bundesgesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen in Kraft getreten ist, ist das Stichwort Barrierefreiheit nicht länger nur den Blinden- und Sehbehindertenverbänden ein Begriff. Und das ist gut so.
Barrierefreiheit ist weit mehr als die Zugänglichkeit von Informationen für Menschen mit eingeschränktem oder fehlendem Sehvermögen im Internet. Barrieren tun sich im Web auch für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen, mit Motorik- oder Lernbeeinträchtigungen auf. Und manchmal auch für Menschen ohne Beeinträchtigungen.
Barrierefreiheit kann Websites zudem zu einer besseren Platzierung in Suchmaschinen verhelfen und Unternehmen zu neuen Kunden. Von einem zugänglichen Angebot profitieren alle.
Barrierefreiheit ist in der BITV (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung) definiert. Sie bezieht sich nicht nur auf die Gestaltung und technische Umsetzung von Internetauftritten, sondern auch auf die Inhalte der Websites. In der BITV 14.1 heißt es:
Für jegliche Inhalte ist die klarste und einfachste Sprache zu verwenden, die angemessen ist.
Lesen Sie deshalb morgen: KVA – kurz, verständlich, ansprechend.
—————————–
Haben Sie auch Protext-Tipps auf Lager? Wir freuen uns über Ihre Zusendung an redaktion@protextbewegung.de



“Für jegliche Inhalte ist die klarste und einfachste Sprache zu verwenden, die angemessen ist.”
Wenn man aber keine Lust hat, die “einfachste” Sprache zu verwenden, weil das viel lustiger ist, wird man dann bestraft? Mit langweilig geschriebenem Text nicht unter hundert Seiten? Oder wie muss man sich das vorstellen? Ich finde, eine Protextbewegung sollte sich dringend GEGEN derlei Bevormundungsschwachsinn wenden, statt ihn noch zu propagieren. Und was bedeutet in dem Zusammenhang “angemessen”? Artig schreiben mit “Händen über der Decke”, oder wie? Muss mich schon sehr wundern.
@Ralf: Ich halte das Bemühen um Barrierefreiheit keinesfalls für Schwachsinn.
Die einfachste Sprache ist natürlich für normale Seiten nicht zu verwenden. Aber für die, die ihre Texte auch in leichter Sprache anbieten wollen, schon.
Siehe z.B. http://www.biene-award.de/award/leichte-sprache/
und glaub mir, es ist manchmal gar nicht so einfach, normale Inhalte in diese Sprache zu “übersetzen”. Ich hab das unlängst mehrfach getan. Klar ist das eine Sprache, die ich dir nicht vorsetzen würde. Aber sie ist ja auch geschrieben für Menschen, die eben gewisse Beeinträchtigungen haben.
Ob das alles in Gesetze gepackt werden muss, ist eine andere Sache. Ich bin da auch eher für Freiwilligkeit.