Protextbewegung nimmt Tagespresse unter die Lupe
11. Mai 2009
„Aber wenn es doch so in der Zeitung steht …“
Na, dann muss es wohl stimmen. So denken viele – und zwar nicht nur dann, wenn es um Fakten und Ereignisse geht. Auch sprachlich ist die Zeitung für die meisten Leser eine Autorität. Oder etwa doch nicht?
Früher konnte man sagen: „Guck doch mal, wie es in der Zeitung steht. So wird es geschrieben.“ Seit der Einführung der Rechtschreibreform, den vielen Diskussionen um ebendiese und der anschließenden Re-Reform herrscht Unsicherheit. Hinzu kommt, dass viele Zeitungen ausgerechnet am Endkorrektorat sparen. Die Folge: Die sprachliche Qualität leidet. Die einen schreiben so, die anderen so. Fehler häufen sich. Keiner korrigiert sie, keiner vereinheitlicht unterschiedliche Schreibweisen. Und der Leser weiß schon gar nicht mehr, was richtig ist. Das wirkt sich nicht nur auf die Rechtschreibschwächen der Bevölkerung aus, sondern auch auf den guten Ruf und die Glaubwürdigkeit der Zeitung.
Hier rufen wir von der Protextbewegung: „Es reicht!“ Schluss mit schlechtem Stil, falscher Grammatik und Rechtschreibung in Zeitungen. Wir möchten, dass die Zeitungen wieder ihre Verantwortung für die sprachliche Bildung wahrnehmen und zum Vorbild ihrer Leser werden. Wir möchten, dass mehr Wert auf Schlusslektorate gelegt wird. Wir möchten unseren Kindern mit gutem Gewissen sagen können: „Aber wenn es doch so in der Zeitung steht!“
In einer großen Umfrage untersuchen wir deshalb, wie die sprachliche Qualität in Zeitungen von den Lesern wahrgenommen wird. Auch Ihre Meinung interessiert uns. Bitte nehmen Sie sich einige Minuten Zeit, um die Fragen zu beantworten.
Gleichzeitig haben wir eine umfangreiche Korrektoratsaktion gestartet: Die auflagenstärksten Regionalzeitungen aus allen 16 Bundesländern kamen unter die Lupe. In einer weiteren Aktion werden wir überregionale Tageszeitungen und Boulevardzeitungen prüfen. Die Ergebnisse werden wir demnächst hier veröffentlichen.
Bildquelle: Pixelio/Paul Georg Meister



Zuerst: Es war schon gesund für die Seele, dass ich gerade diesen Artikel gelesen habe. Er liest sich so flüssig, wie ich das von einem Artikel erwarte. Aufbau, Gliederung, Inhalt – alles stimmig und die Aussage prägnant wie ebenso wahr.
Unsere Sprachkultur leidet in der heutigen Zeit sehr. Wir brauchen dringend eine Umkehr, denn unsere Sprache und Sprechweise(n) haben Einfluss auf unsere Emotionen, prägen Ausdrucksverhalten und beeinflussen unser Harmonieempfinden.
Es bedeutet mir Zurückentwicklung, wenn unsere Sprache verkümmert. Daran ändert nichts der Umstand, dass es immer mehr Worte gibt, die in sie aufgenommen werden.
Insgesamt mache ich nicht nur die Rechtschreibreform für diese schlechte Entwicklung verantwortlich. Auch die IT-Branche hat daran großen Anteil.
Gerade in den neuen Medien, vor allem im Internet wird Sprache oft unwürdig degradiert zugunsten 1. der Werbung; 2. der Suchmaschinen und 3. aus Unvermögen, mit ihr ästhetisch umzugehen.
SKB
Zur Umfrage betreffs Tageszeitungen:
Natürlich habe ich teilgenommen. Insgesamt gilt das, was ich dazu meine, nicht nur für die lokale Tageszeitung, welche ich im Einzugsbereich lese. Andere Tageszeitungen “schwächeln” in genau denselben Punkten:
1. Ausdruck: viele Klischees, oft holprig – kein Fluss, disharmonisch
2. Stil: wenig Präganz in der Wortwahl, unspezifische Fokussierung inhaltlicher Aspekte, fehlende Chronologie
3. Rechtschreibung: typische, vom PC bekannte Fehler, wie sie bei Verwendung der integrierten Rechtschreibhilfe vorkommen und also redaktionell unentdeckt bleiben
4. Grammatik: ab und zu Verwendung falscher Deklination, häufig dann: Verwechslung Dativ und Akkusativ, nachrangig dazu: Singular und Plural
Als ich unlängst von einer Zeitungsredaktion dazu befragt wurde, habe ich diese Angaben auch gemacht und mit Fallbeispielen aus einem tagesaktuellen Zeitungsexemplar begründet.
SKB